"Ein Gulag für Hund und Mensch"

Ehemalige Mitarbeiter eines Hundeschlittenunternehmens in Inari erzählen von hungernden Hunden, die ihre Pfleger beißen und trotz Krankheit nicht zum Tierarzt gebracht werden. Die Ridenorth GmbH bestreitet die Vorwürfe.

Ehemalige Mitarbeiter eines Hundeschlittenunternehmens in Inari erzählen von hungernden Hunden, die ihre Pfleger beißen und trotz Krankheit nicht zum Tierarzt gebracht werden. Die Ridenorth GmbH bestreitet die Vorwürfe.

Dieser Artikel erschien auf Finnisch am 26. Juli 2024. Nun publiziert ihn Lapin Kansa auch auf Deutsch, da Kunden und Mitarbeiter dieses Unternehmens international sind. Lapin Kansa ist die größte unabhängige Zeitung Lapplands.


In diesem Hundeschlittenunternehmen stimmte fast nichts.

Das wurde Terhi Välke und ihrer Freundin sehr schnell klar. Es war Ende Herbst 2021, und die beiden waren aus Südfinnland nach Inari gereist, um ein Praktikum bei der Hundeschlittenfirma Ridenorth zu absolvieren.

In einem sogenannten Kennel, wo die Hunde zwischen ihren Einsätzen leben. Die Ausbildung sollte sechs Monate dauern. Allerdings traten die Frauen bereits nach drei Arbeitstagen ihre Rückreise an.

– Ich hätte nie gedacht, dass es im Finnland der 2020er möglich ist, so zu agieren wie dort, sagt Välke.

Laut Välke waren viele der Hunde so unterernährt, dass ihre Rippen durch die Haut schimmerten. Die meisten Tiere hatten Durchfall.

Ein Hund hatte eine Wunde am Bein, die nicht behandelt worden war. Einige der Hunde waren angekettet, weil sie sich im Käfig ihre Zähne aus dem Kiefer gebissen hatten.

Hundefuttersäcke wurden etwa einen Meter entfernt von aufgesammelten Exkrementen gelagert. Später wurde der Hundekot an den Straßenrand gekippt.

Viele der Kettenhunde hatten Hindernisse vor ihren Hütten – grosse Steine und Bäume, in denen sich die Ketten bei jeder Bewegung verwickelten.

An beiden Abenden, die Välke mit ihrer Freundin im Kennel verbrachte, entkamen Hunde aus ihren Zwingern. Die unbezahlten Praktikanten hätten nach ihren zehnstündigen Arbeitstagen bleiben müssen, um nach Ausreißern zu suchen und die Zwinger zu reparieren.

In den beiden Kenneln von Ridenorth lebten letzten Winter insgesamt über hundert Huskys.
In den beiden Kenneln von Ridenorth lebten letzten Winter insgesamt über hundert Huskys.
Kuva: Foto des Lesers

Auch als der Amtstierarzt kam, um den Kennel zu kontrollieren, war Välke dabei. Nach ihren Angaben stellte der Tierarzt bei drei Hunde einen so schlechten Gesundheitszustand fest, dass sie eingeschläfert werden mussten.

Välke hörte, dass einer der Hunde zuvor einen siebenjährigen Jungen, der zu einer Huskysafari gekommen war, mit den Zähnen gepackt haben soll. Auch Välkes Freundin wurde von einem Hund durch das Zwingergitter an der Hand verletzt.

Dieser Hund wurde dann zwar nicht mehr für Schlittentouren eingesetzt, allerdings trotzdem nicht eingeschläfert, da er zur Zucht genutzt werden sollte.

– Hunde verstehen normalerweise, die Hand die sie füttert, nicht zu beißen. Wenn ein Hund einen Menschen angreift, kann aus seinem Nachwuchs alles Mögliche werden, sagt Välke.

Terhi Välke in Saariselkä letzten Sommer. Der Hund auf dem Bild ist ein ehemaliger Schlittenhund einer Bekannten. Välke selbst hatte zuvor einen westsibirischen Laika.
Terhi Välke in Saariselkä letzten Sommer. Der Hund auf dem Bild ist ein ehemaliger Schlittenhund einer Bekannten. Välke selbst hatte zuvor einen westsibirischen Laika.
Kuva: Foto des Lesers
Im Video packt Ridenorths Schlittenhund mit den Zähnen die Kleidung eines Praktikanten der Essen bringt.

Lapin Kansa hat für diese Reportage Kontakt zu mehr als zehn ehemaligen Mitarbeitern von Ridenorth aufgenommen, und ihre Erfahrungen aufgezeichnet.

Aufgrund der Sensibilität des Themas bleiben einige der Befragten in der Reportage anonym. Ihre Identität ist der Redaktion jedoch bekannt.

Darüber hinaus hat die Redakteurin Arbeitsverträge, Gehaltsabrechnungen und Screenshots der von der Unternehmerin verschickten Nachrichten eingesehen.

Alle Erfahrungen stammen aus den letzten vier Jahren, die jüngsten aus den letzten Monaten. Einige der Befragten sind Finnen, andere Ausländer.

Einige der Betroffenen arbeiten noch immer im Bereich Tourismus. Ihnen zufolge sind die fragwürdigen Praktiken von Ridenorth in der Branche allgemein bekannt.


Ehemalige Mitarbeiter berichten von hungernden Hunden und zahlreichen Fällen, in denen Hunde trotz schweren Erkrankungen, nicht zum Tierarzt gebracht wurden.

Selbst alte Hunde durften nicht ruhen. Nach Angaben der Mitarbeiter arbeitete im vergangenen Winter ein Zughund im Kennel, der taub, fast blind und zahnlos war.

Hunde hatten Probleme mit der Haut, die auf Parasiten hindeuteten. Ein großer Teil der Zwinger bestand aus Maschendraht, den Schlittenhunde zerreißen können. Aus den Umzäunungen ragten spitze Drahtstücke hervor. Ein Mitarbeiter fand im Schuppen des Kennels verweste und in Plastiktüten verpackte Hundekadaver.

Ein Mann, der letzten Winter bei Ridenorth arbeitete, sagt, er habe Inhaberin und CEO Satu Natunen erklärt, dass die Hunde zu müde seien – sie könnten die vereinbarte lange Safari nicht laufen.

Die Unternehmerin sei mit der Verkürzung der Safari nicht einverstanden gewesen. Nach der Safari befand sich Blut sowohl im Urin als auch im Kot der Hunde. Nach Angaben des Mitarbeiters behauptete die Unternehmerin, dass das Blut im Kot daher stamme, dass der Mitarbeiter den Hunden ein zu dünnes Geschirr angelegt habe.

Ein anderer ehemaliger Mitarbeiter erzählt von einem Unfall vor ein paar Jahren, bei dem einer der Hunde während einer Tour zusammenbrach. Die anderen Hunde seien über den am Boden liegenden Husky hergefallen und er musste eingeschläfert werden.

Die Eigentümerin von Ridenorth reagierte auf den Vorfall, indem sie einen der Mitarbeiter beschuldigte und ihm mit Sanktionen drohte.

Was?

Ridenorth GmbH

Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die Tourismusaktivitäten anbietet. Die Schlittenhundekennel sind Teil der Firma.

Ridenorth besitzt keine Hunde, sie werden von diversen Besitzern zugemietet.

Das Unternehmen wurde 2011 registriert. Es hat zwei Aktionäre, Satu Natunen und Erkki Jämsen. Natunen ist der CEO des Unternehmens. Alle Mitarbeiteraussagen in diesem Artikel beziehen sich auf sie.

Wie aus den Unternehmensdaten hervorgeht, betrug der Umsatz des Unternehmens im letzten Geschäftsjahr 635.000 Euro und der Betriebsgewinn 61.000 Euro.

Laut Satu Natunen gab es letzte Wintersaison zwei Hundekennel, in denen insgesamt 6–7 Mitarbeiter arbeiteten. Zusammen hielt das Unternehmen 110 Hunde.

Ridenorth bietet kurze Hundeschlittentouren von nicht mehr als einer Stunde an. Dazu wird Saft gereicht und Gäste können die Hunde im Kennel bewundern.

Die letzte Schlittenhundesafari des Tages endet normalerweise um zwei Uhr nachmittags.

Ein Mitarbeiter fand im Nebengebäude von Ridenorth verrottende Hundekadaver. Nach Informationen von Lapin Kansa hatte dieser Hund äußere Parasiten, die nicht medikamentös behandelt wurden. Ridenorths Schlittenhund, der in einen Kampf verwickelt war. Nach Angaben der Mitarbeiter wurde der Hund nicht zum Tierarzt gebracht. Direkt vor der Hundehütte befand sich ein großer Stein. Das linke Hinterbein des Hundes weist eine unbehandelte Verletzung auf.
Ein Mitarbeiter fand im Nebengebäude von Ridenorth verrottende Hundekadaver.
Ein Mitarbeiter fand im Nebengebäude von Ridenorth verrottende Hundekadaver.
Kuva: Foto des Lesers

Die Freundin, die mit Terhi Välke ihr Praktikum machte, hatte zuvor eine Ausbildung zur Tierpflegerin absolviert und als Urlaubsvertretung in der Ladwirtschaft gearbeitet.

Ihr zufolge fraßen die Hunde "äusserst schlechtes", für Schlittenhunde ungeeignetes Futter mit nur wenigen Prozent Fleisch oder fleischähnlichen Zutaten.

Die Frau sagt auch, dass keiner der Mitarbeiter im Kennel Erfahrung mit der Betreuung von Schlittenhunden hatte. Der Kennelleiter war eine Person, die nach eigener Aussage im Kennel arbeitete, weil sie Hunde toll fand.

Wenn den Hunden Bewegung geboten werden sollte, durften sie willkürlich mit jedem raus. Außerdem paarten sich die Hunde unkontrolliert und keiner der Arbeiter wusste, welcher Rüde mit welcher Hündin Welpen gemacht hatte.

Die Finnin hat noch das Halsband, das sie einem ausgewachsenen Husky vom Hals schnitt. Der Durchmesser beträgt 11 Zentimeter. Ihrer Meinung nach hätte das Halsband eine passende Größe für einen kleinen Golden Retriever-Welpen.

Eine finnische Frau schnitt einem ausgewachsenen Husky im Ridenorth-Kennel das helle Halsband ab. Das dunklere Halsband hat die richtige Größe für eine zierliche Husky-Hündin.
Eine finnische Frau schnitt einem ausgewachsenen Husky im Ridenorth-Kennel das helle Halsband ab. Das dunklere Halsband hat die richtige Größe für eine zierliche Husky-Hündin.
Kuva: Foto des Lesers

Den Befragten zufolge werden im Unternehmen nicht nur die Hunde, sondern auch die Mitarbeiter schlecht behandelt. Diese berichten, dass sie regelmäßig 10–12 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche, gearbeitet haben. Dennoch wurden sie nur für 40 Stunden pro Woche entlöhnt.

Manche hatten die Anweisung, nur 20 Stunden pro Woche zu arbeiten. In Wirklichkeit arbeiteten sie jedoch um ein Vielfaches mehr.

Den mit der Unternehmerin getroffenen Vereinbarungen sei nach Aussage der Arbeitnehmer nicht zu trauen. Einige Mitarbeiter hatten beispielsweise mit Satu Natunen vereinbart, dass ihre Miete direkt vom Gehalt abgezogen wird.

Gegen Ende der Saison behauptete die Unternehmerin jedoch, dass die Angestellten ihre Miete für die gesamte Zeit nicht bezahlt hätten und ihnen daher für den Rest der Saison nur ein minimales Gehalt zusteht.

Oftmals erhielten die Arbeitnehmer überhaupt keine Lohnabrechnungen und konnten daher nicht prüfen, ob Miete abgezogen wurde oder nicht.

Einige der Mitarbeiter berichten, dass sie ihre Miete zwar vorab in Bar übergeben hatten, diese aber trotzdem noch einmal von ihrem Gehalt abgezogen wurde.

Einige der Mitarbeiter erhielten sporadisch Lohnabrechnungen. Lapin Kansa hat Lohnabrechnungen gesehen, in denen das Bruttomonatsgehalt 1 115 Euro beträgt.

Bei Schlittenhundebetrieben kommt ein Branchentarifvertrag zur Anwendung. Demnach müsste der monatliche Mindestlohn eines Arbeitnehmers 1 646 Euro betragen. Für die ersten 300 Arbeitsstunden besteht zwar die Möglichkeit, ein reduziertes Ausbildungsgehalt zu zahlen, das 85 Prozent des Mindestgehalts beträgt – aber auch das sind mindestens 1 399,10 Euro.

Das Gehalt eines ausländischen Mitarbeiters für drei Wochen vom letzten November. Während dieser Zeit arbeitete der Arbeitnehmer 10–12 Stunden am Tag. Die Gehaltsabrechnung eines ausländischen Mitarbeiters vom letzten Februar. Die Miete wurde vom Gehalt abgezogen, obwohl der Arbeitnehmer über eine Quittung verfügt, aus der hervorgeht, dass die Miete zuvor bereits gezahlt wurde. Die Quittung des Arbeitnehmers über die gezahlte Miete.
Das Gehalt eines ausländischen Mitarbeiters für drei Wochen vom letzten November. Während dieser Zeit arbeitete der Arbeitnehmer 10–12 Stunden am Tag.
Das Gehalt eines ausländischen Mitarbeiters für drei Wochen vom letzten November. Während dieser Zeit arbeitete der Arbeitnehmer 10–12 Stunden am Tag.
Kuva: Foto des Lesers
Screenshot der Nachrichtenkette zwischen der Unternehmerin Satu Natunen und einem ausländischen Mitarbeiter. Der Mitarbeiter war mit dem Firmenwagen von der Straße abgekommen. Die Unternehmerin wollte dem Mitarbeiter nicht nur die Kosten für die Autoreparatur in Rechnung stellen, sondern auch eine Entschädigung für die durch den Unfall ausgefallenen Arbeitsstunden.
Screenshot der Nachrichtenkette zwischen der Unternehmerin Satu Natunen und einem ausländischen Mitarbeiter. Der Mitarbeiter war mit dem Firmenwagen von der Straße abgekommen. Die Unternehmerin wollte dem Mitarbeiter nicht nur die Kosten für die Autoreparatur in Rechnung stellen, sondern auch eine Entschädigung für die durch den Unfall ausgefallenen Arbeitsstunden.
Kuva: Foto des Lesers

Einige der Befragten waren als freiwillige Helfer oder unbezahlte Praktikanten im Betrieb. Mehrere sagen, dass Praktikanten im Unternehmen schnell in sehr verantwortungsvolle Positionen versetzt wurden.

Terhi Välke berichtet zum Beispiel, dass die Unternehmerin beabsichtigte, sie und ihre Freundin während ihrer eigenen Auslandsreise mit der Leitung des Kennels zu betrauen, obwohl sie erst seit ein paar Tagen im Unternehmen als Praktikantinnen arbeiteten.

Ein Freiwilliger sagt, dass im Kennel fünf Freiwillige und nur ein bezahlter Angestellter arbeiteten. Auch Praktikanten arbeiteten bei Ridenorth oft 10–12 Stunden am Tag.

Nach Angaben der Mitarbeiter war die Unternehmerin selbst kaum im Kennel anwesend.

Ein Freiwilliger sagt, er habe drei Wochen im Kennel gearbeitet, bevor er die Unternehmerin zum ersten Mal sah. Über Schichtpläne und andere Angelegenheiten kommunizierte die Unternehmerin per WhatsApp.

Während dieser drei Wochen arbeitete ein halbes Dutzend Menschen im Kennel.  Von denen war nur einer ein bezahlter Angestellter. Nach Angaben der freiwilligen Helfer hatte keiner der Anwesenden Erfahrung in der Arbeit mit Huskys.


Auch die Russen Ekaterina Zimina und Artyom Domozhirov bekamen die schlechte Behandlung zu spüren.

Das Paar besaß eine Hundeschlittenfirma in Russland, doch nach Beginn des Angriffskrieges wollten sie das Land verlassen. Sie kontaktierten Satu Natunen, die Domozhirov den Job des Kennelleiters und eine Familienunterkunft in Inari versprach.

Das Paar verkaufte seinen Kennel in Russland und zog mit zwei Kindern, einer Katze und 25 Alaskan Huskys nach Inari.

Im ersten Monat hatte drei Tage frei. Seine Tage waren lang, aber die zusätzlichen Arbeitsstunden wurden nicht bezahlt. Die Chefin wies ihn an, diese später abzubummeln.

Allerdings ergab sich für Domozhirov nie die Möglichkeit eine Auszeit zu nehmen. Die Überstunden blieben unbezahlt.

Es gab viel Arbeit, weil die Hunde nicht unbeaufsichtigt gelassen werden durften und es nur wenige Angestellte gab. Später stellte sich heraus, dass viele Mitarbeiter die Firma noch während der Saison verlassen hatten, unter anderem wegen Problemen bei der Bezahlung und mit den Lebensbedingungen.

Auch Ekaterina Zimina arbeitete für die Unternehmerin, obwohl Zimina keinen Arbeitsvertrag hatte. Sie wusch im Gasthaus Wäsche und veröffentlichte im Namen der Unternehmerin Stellenangebote auf der Workaway-Website.

Nach Angaben ehemaliger Mitarbeiter wurde die Ridenorth-Unternehmerin aufgrund zahlreicher Beschwerden über ihr Unternehmen auf der Workaway-Website gesperrt. Die Sperrung wurde durch Verwendung persönlicher E-Mail-Adressen der Mitarbeiter umgangen.

Artyom Domozhirov und Ekaterina Zimina.
Artyom Domozhirov und Ekaterina Zimina.
Kuva: Foto des Lesers

Die Probleme eskalierten im Sommer, als Artjom Domozhirov als einziger Mitarbeiter im Kennel blieb.

Nach Angaben des Paares erwartete Satu Natunen, dass Domozhirov die gesamte Arbeit im Kennel alleine erledigt. Als Domozhirov sich weigerte, begann die Unternehmerin, zusätzliche Gebühren für den Unterhalt der Hunde des Paares, für Mietkosten und für die Nutzung des Firmenwagens zu erheben.

Domozhirov reichte seine Kündigung ein. Anfang Juli konnten Domozhirov und Zimina ihre Hunde mithilfe eines örtlichen Unternehmens in einen neuen Kennel bringen.

Danach ging Domozhirov zum Arzt und wurde für den Rest seines Arbeitsverhältnisses krankgeschrieben. Die Unternehmerin von Ridenorth reagierte, indem sie dem Mann mit einer Rechnung drohte, die ihm für Inanspruchnahme von Krankheitstagen entstehen würde.

Die Unternehmerin gab vor, den Arzt, der die Krankmeldung ausgestellt hatte, kontaktiert zu haben. Auf Grund des angeblichen Gesprächs gab die Unternehmerin weiterhin an, dass Domozhirov nicht mit Huskys arbeiten, aber sehr wohl Auto fahren und Säcke heben könne.

Sie drohte, dass eine Arbeitsverweigerung zum Verlust des staatlichen Krankengeldes führen könne.

Ridenorth loszuwerden sei eine Erleichterung gewesen, schreibt Ekaterina Zimina in ihrer Whatsapp-Nachricht nach dem Interview.

– Dieser Ort ist ein Gulag für Hund und Mensch.

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Screenshots der Nachrichtenkette zwischen der Unternehmerin Satu Natunen und dem russischen Paar.
Screenshots der Nachrichtenkette zwischen der Unternehmerin Satu Natunen und dem russischen Paar.
Kuva: Foto des Lesers

Mehrere Befragte sprechen über ein Leben in primitivsten Verhältnissen.

Terhi Välke und ihre Freundin waren während ihres Praktikums in einem für Sommernutzung vorgesehenen Nebengebäude mit einfachen Fenstern und keinerlei Isolierung untergebracht. In dem Schuppen war lediglich ein Blechofen installiert.

Es gab kein fließend Wasser. Das Trinkwasser soll aus einem Brunnen entnommen werden, in dem laut Välke verendete Nagetiere zu sehen waren.

Das nächste Plumpsklo war einen Kilometer entfernt. Den Praktikanten wurde gesagt, dass sie sich einmal pro Woche im Jugend- und Naturtourismuszentrum Vasatokka waschen könnten.

Der Pausenraum wurde von einer Autobatterie mit Strom gespeist. Selbst dort gab es kein fließend Wasser. Nach dem Umgang mit Hundekot mussten die Angestellten ihr Mittagessen ohne gründliches Händewaschen verzehren.

Wohngebäude für Mitarbeiter. Personalduschen Im Hundekennel. Telefonladestation im Pausenraum der Mitarbeiter. Pausenraum der Arbeitskräfte.
Wohngebäude für Mitarbeiter.
Wohngebäude für Mitarbeiter.
Kuva: Foto des Lesers

Arbeitskräfte der letzten Wintersaison sagen, dass es in der Nähe der Hütte mittlerweile eine Sauna gibt. Die dürfe aber nur zwei Tage in der Woche beheizt werden. An anderen Tagen gab es keine Möglichkeit zum Waschen.

Nach Angaben eines Befragten bildete sich im Winter Eis an den Innenwänden der Gebäude. Für das zum Heizen notwendige Feuerholz mussten Bewohner der Unternehmerin neun Euro pro Sack zahlen.

Eine Familie, die in einer elektrisch beheizten Wohnung lebte, gab an, ihre Stromrechnungen direkt an die Unternehmerin gezahlt zu haben. Diese jedoch beglich die Rechnungen an das Elektrizitätsunternehmen nicht, sodass der Strom abgeschaltet wurde.

Die Freundin von Terhi Välke sagt, sie seien Zeugen eines Falles geworden, bei dem eine ausländische Arbeitskraft aus der Gemeinschaftsunterkunft verwiesen wurde, weil sie erkrankte. Das war während der Corona-Zeit. Die Unternehmerin wollte nicht, dass sich die Krankheit ausbreitet.

Nach Angaben der Zeugin wurde die erkrankte Person nachts, ohne Transportmöglichkeit, und ohne alternative Unterkunft einfach hinausgeschickt.

– Das war grobe Vernachlässigung.

Mehr lesen: Das Wohlergehen der Schlittenhunde ist häufig dem Profit untergeordnet, im Vergleich zu vergangenen Jahren bessert sich die Lage jedoch – "Damals starben Hunde wie Fliegen"

Unternehmerin wurde wegen Tierquälerei verurteilt – sie ließ ihre Pferde in Norwegen verhungern

Ridenorths Chefin Satu Natunen wurde im Juni 2015 in Norwegen wegen Tierquälerei verurteilt.

Sie besaß vier Pferde, von denen zwei verhungerten. Bei den anderen beiden wurde anlässlich einer behördlichen Inspektion starke Unterernährung festgestellt. Die Pferde waren offenbar wochenlang ohne Futter im Stall in Norwegen gehalten worden.

Natunen erhielt eine dreimonatige Gefängnisstrafe. Außerdem wurde ihr in Norwegen für fünf Jahre die Tierhaltung verboten. Lapin Kansa hat die Dokumente des in Norwegen verhängten Urteils gesehen. Gegen das Urteil wurde keine Berufung eingelegt.

Nach Angaben des Bezirksgerichts wurde das Urteil auch an die finnischen Behörden weitergeleitet. Es wurde davon ausgegangen, dass das Urteil Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit von Natunen in Finnland haben wird.

Unternehmerin bestreitet Vorwürfe der Misshandlung von Tier und Mensch

Laut Unternehmerin Satu Natunen gehe es den Hunden von Ridenorth gut und sie seien derzeit eher übergewichtig.

Aufgrund des warmen Wetters konnten die Hunde nicht laufen. Laut Natunen werden die Hunde mit Futter der Marke Josera gefüttert. Dieses gilt in der Branche als hochwertig.

Nach Angaben der Unternehmerin hat Ridenorth keine eigenen Hunde, sondern mietet diese zu. Natunen betont, dass die Praxis branchenüblich sei.

Ridenorth ist für deren Unterhalt und Pflege verantwortlich.

– Und ihre Besitzer wären sauer, wenn die Hunde nicht zum Tierarzt gebracht würden.

Laut Satu Natunen besteht das Problem jedoch manchmal darin, dass ihre Mitarbeiter nicht melden, wenn Tiere Pflegebedarf haben.

– Wir haben ziemlich strenge Regeln für Mitarbeiter. Für fahrlässige Fehler haften diese moralisch und auch finanziell.


Laut Natunen hatte Ridenorth in den letzten Jahren keine Praktikanten oder Freiwilligen. Sie sagt, dass ihr Unternehmen zuvor Freiwillige eingesetzt habe, die über Workaway kamen, aber „bei dieser Art von Arbeit funktionierte das einfach nicht“.

– Wenn wir Anfragen erhalten, ob man freiwillig kommen könne, antworte ich, dass das nicht geht. Besser die kommen, erhalten ein kleines Gehalt und werden direkt am Arbeitsplatz geschult.

Wann hatten Sie zuletzt freiwillige Mitarbeiter?

– Ich erinnere mich nicht einmal, es ist so lange her.

Laut den von Lapin Kansa befragten Mitarbeitern hatte Ridenorth auch im letzten Winter unbezahlte Freiwillige.

Natunen bestätigt, dass das Einstiegsgehalt bei Ridenorth für einige Branchenneulinge 1115 Euro beträgt. Laut Natunen ist es das niedrigste Gehalt, welches in Finnland gezahlt werden darf.

– Im Tarifvertrag ist festgelegt, wie hoch der Mindestlohn ist, und dann kommt es zu einem Abzug für Neueinsteiger.

Ihr sei gesagt worden, dass der Abzug etwa 30 Prozent des Gehalts beträgt, so Natunen. Allerdings darf die Kürzung laut Tarifvertrag in der Programmdienstleistungsbranche nur 15 Prozent betragen.

Laut Natunen wird dieses niedrigste Gehalt an Personen gezahlt, die bei ihrer Ankunft „überhaupt nichts“ können.

– Sie haben nie einen Schlittenhund oder Schnee gesehen, sie wissen nicht, wie man im Schnee Auto fährt oder sich im Winter kleidet.

In Fällen, in denen Mitarbeiter nicht bereit seien, mehr Verantwortung zu übernehmen, zahle man dann auch weiterhin ein kleines Gehalt.

Laut Natunen sind die Arbeitszeiten so geplant, dass die Mitarbeiter im ersten Monat keine Überstunden machen. Bei längerem Arbeitsverhältnis werden Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto verrechnet. Auch Flexibilität ist notwendig.

– Tiere stehen an erster Stelle. Man kann den Arbeitsplatz nicht verlassen, wenn nur die Hälfte der Hunde gefüttert sind.


Laut Natunen ist die Ausbildung derjenigen, die ein Praktikantengehalt beziehen, Verantwortung des Kennelmanagers. Der ist auch zuständig für das Rekrutieren neuer Arbeiter.

Natunen sagt, dass sie vor ein paar Jahren einen Unfall hatte, der ihr das Gehen erschwert. Deshalb geht sie selten in die Kennel.

Als Kennelleiter hatte sie "gute Vertraute", sagt sie, bis sich herausgestellt habe, dass diese doch keine so guten Vertrauten seien, oder der falsche Typ Mensch, oder nicht motiviert genug.


Bei ihrer Unterbringung können Mitarbeiter zwischen drei Optionen wählen: eine Hütte ohne Strom, eine Hütte mit Strom oder eine Wohnung im Zentrum von Inari.

Die günstigste Unterkunftsvariante kostet 100 Euro pro Monat, die teuerste rund 450 Euro pro Monat.

– Ich zwinge Mitarbeiter nicht, irgendwo zu bleiben. Ich denke, das Beste wäre, wenn die Leute kommen und keine Unterkunft von uns benötigen. Dies ist ein strukturelles Problem, in Inari sind keine Wohnungen verfügbar.

Natunen sagt, dass diejenigen, die zur Arbeit kommen, oft ein zu romantisches Bild von der Arbeit in einem Hundekennel haben.

– Die denken wir machen nur Schlittentouren mit den Hunden. Eigentlich ist es säubern, tränken und füttern.

Ilmoita asiavirheestä